18. Juni 2022: Tag 1 – Von Purkersdorf nach Pörtschach

18. Juni 2022: Tag 1 – Von Purkersdorf nach Pörtschach

Müde, aber zufrieden und glücklich sitze ich jetzt auf der Terrasse der Ferienpension Wunder am herrlichen Wörthersee in Pörtschach.

Die letzten Tage waren Hektik pur und je näher der Abreisetermin rückte, umso mehr Dinge tauchten auf, die es noch zu erledigen galt. Gestern Abend dann war alles fertig und ich so müde, dass ich gar nicht dazu kam nachzudenken. Ein wenig Nervosität hat sich aber dann doch eingeschlichen, denn um 4.30 Uhr heute Früh war ich putzmunter und während ich auf meiner Terrasse saß, kamen dann erstmals Gedanken, ob die ganze Sache wirklich durchdacht war. 4 Wochen durch 5 Länder vagabundieren … Was, wenn die Hotelreservierungen nicht halten? Wird mein noch immer lädierter linker Knöchel Probleme bereiten? Werde ich die Tages Pensen schaffen? Wird die Vespa mitmachen? Werde ich wirklich 4 Wochen allein reisen können?

Papperlapapp! Wer mich kennt weiß, dass ich immer an das halbvolle Glas denke und niemals an das halbleere. Und damit habe ich dann ein für alle Mal die zweifelnden Gedanken aus meinem Kopf gestrichen. Und das war gut so, denn dann ging auf einmal alles Schlag auf Schlag und – ehrlich – ich kam gar nicht mehr zum Nachdenken.

Principessa II fertig bepackt zur Abreise

Die ersten Freunde standen vor der Türe, um Glück zu wünschen, beim Beladen der Vespa zu helfen und einige waren sogar mit ihren Rollern gekommen und bereit, um ein erstes Stück des Weges mitzufahren.

Ja, und dann war es so weit. Die erste Etappe meiner Reise mit der Principessa II begann.

Karte der Route von Purkersdorf nach Baden
Route Klagenfurt-Pörtschach
Karte der Route von Baden nach Pörtschach

Purkersdorf – Baden (Zwischenstopp) – Semmering – Möderbrugg (Zwischenstopp) – Pörtschach (345km)

Die ersten Kurven im Wienerwald waren noch etwas zögerlich, da das gesamte Gepäck den Schwerpunkt und die Lenkbarkeit der Vespa doch veränderte und ich erst ein Gefühl dafür bekommen musste. Besonders hervorzuheben wäre mein „eleganter“ Auf- und Abstieg, da ich gar nicht berechnet hatte, dass durch die sowohl vorne (T-Bag), als auch hinten durch die am Gepäckträger verzurrte Vespa Tasche  meine Möglichkeit schwungvoll den Sitz zu erklimmen limitiert war. Die Lacher waren wieder einmal auf meiner Seite.

Abschied am Bahnhof in Baden bei der Bäckerei Felber

Am Bahnhof in Baden trafen wir Doris Felber „Der Felber bäckt selber“, die uns auf ein kleines Frühstück einlud und mich noch mit Proviant versorgte und dann kam der endgültige Abschied, denn meine kleine Begleittruppe blieb zurück und ich startete meinen Jakobsweg auf 2 Rädern.

Da ich noch ein wenig Zeit am Wörthersee genießen wollte, hatte ich beschlossen den ersten Teil der Strecke Autobahn und Schnellstraße zu fahren und meine Principessa gleich zu Beginn einem Stresstest auszusetzen. Und ihr habt es sicher erraten, sie hat bestanden.

Bei bestem Wetter und wenig Verkehr kamen wir flott voran und peilten passend zur Mittagszeit das Landgasthaus und Backhendlstation Timmerer in Möderbrugg an. Angeblich gibt es hier die weltbesten Backhenderln, wobei, das behaupten ja doch Einige von sich.

Möderbrugg liegt nach Judenburg am Ende der S 36 noch etwa 20km Richtung Hohe Tauern. Gleich am Ortbeginn sieht man rechter Hand den Timmerer. Und was soll ich euch sagen – nicht nur das besonders freundliche Personal, die gemütliche Terrasse, das Soda Zitrone, das die ausgetrocknete Kehle erfreute, es war das weltbeste Backhenderl, das mich fast dazu verführt hätte die Zeit zu vergessen. Die Portionen sind riesig (bereitwillig wird Alufolie zur Verfügung gestellt) und das Preis/Leistungsverhältnis ist sehr gut. Es zahlt sich also aus diesen keinen Abstecher zu unternehmen, wenn man dort in der Nähe ist.

Landgasthof Timmerer
Landgasthof Timmerer - Backhendl, Soda Zitron, Speisekarte und mehr

Wenn man möchte, kann man dann beim Rückweg kurz nach Möderbrugg rechts abbiegen und durch das Lachtal und beim Zirbitzkogel vorbei eine pittoreske und das Herz erfüllende Landschaft erleben. Das war der richtige Ausgleich nach der Eintönigkeit der Autobahn. Übrigens auf dieser Strecke wird es dann auch schön kurvig und ich war froh schon vorher im Wienerwald ein wenig geübt zu haben.

Und dann endlich der See. Ich weiß schon, es gibt viele wunderbare Seen in Österreich, aber offenbar trifft jeder Topf irgendwann seinen Deckel und das ist bei mir der Wörthersee. Weniger wegen Schicki Micki und Luxushotels – das eine ist mir ein Gräuel und das andere kann ich mir nicht leisten – es ist die Farbe, die die Karibik wieder spiegelt und dieses Gefühl, dass Seide Deine Haut umhüllt, wenn Du in das erfrischende Nass eintauchst.

Erfrischung im Wörtersee. Schwimmen macht Spass.
Blick von der Terrasse der Pension Wunder

Pure Leidenschaft!

Ich gebe aber zu, dass ich seit einigen Jahren auch in WUNDERs Ferienpension in Pörtschach verliebt bin. Und da bin ich dann auch nach einem aufregenden Tag gelandet, wurde wie ein Teil der Familie begrüßt und nachdem ich eine Runde im See geschwommen bin, sitze ich jetzt hier auf der Terrasse und genieße den hereinbrechenden Abend.

Ein paar Erkenntnisse:

  • Autobahnfahren ist auch mit einer Vespa weniger dramatisch, als man denkt.
  • Das Windschild ist ein Segen, danke nochmals an Reinhard Prasch, dass er mich fast dazu gezwungen hat.
  • Der Vollvisierhelm tut, vor allem auf der Autobahn, das seine und nach einigen km gewöhnt man sich auch als eingefleischter Vespista an das neue Helmgefühl.
  • Wenn die Vespa vorne und hinten beladen ist, übt einfach vorher ein wenig das elegante Auf- und Absteigen.
  • Langsam wird tanken auch für Vespa Fahrer ein Aha-Erlebnis an der Kassa.

Macht es gut – bis morgen! Da geht es dann nach Italien weiter.

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3 comments

  1. Toller erster Reisebericht…so,hat man das Gefühl selbst auf Reise zu sein, auch wenn die eigene Vespa leider mit Motorschaden in der Werkstatt steht und voller Sehnsucht auf den neuen Motor wartet. Wünsch dir eine weitere großartige Fahrt und freu mich schon auf deine nächsten Berichte! Danke!

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