19. Juni 2022: Tag 2 – Von Pörtschach nach San Giorgio di Nogaro

19. Juni 2022: Tag 2 – Von Pörtschach nach San Giorgio di Nogaro

Tage wie diese können nur mit einem friulanischen Geburtstagsfest bei den Nachbarn enden. Wie schnell ist es mir gelungen wieder in die geliebte Mentalität dieses Landes einzutauchen, unbeschwert zu lachen, zu tanzen, zu feiern. Piacere, sono Andrea – und ein paar Stunden später ist man fixer Teil der Familie.

Aber lasst mich von Anfang an erzählen.

Die heutige Tages Etappe war nicht weit – knapp 200km – und daher habe ich noch in aller Ruhe das legendäre Frühstück in der Pension Wunder genossen. Dieser Blick von etwas oberhalb auf den Wörthersee ist unbezahlbar. Man ist immer wieder verleitet einfach sitzen zu bleiben. Aber ich hatte ja noch einiges vor und daher musste Abschied genommen werden. Das Packen und Verstauen läuft schon recht routiniert von Statten und auch der Aufstieg auf die Principessa II funktioniert schon fast bühnenreif. Der Hausherr hat es sich nicht nehmen lassen, mir meinen Helm zu putzen. Ein letztes „Auf Wiedersehen“ und der Malossi Sound erfüllt den Bogner Weg.

Frühstücken beim Wunder
Abfahrbereit in Pörtschach

Wie finde ich nach Gummern?

Das nächste Ziel ist gar nicht so weit entfernt, wenn auch nicht ganz so einfach zu finden. Ich habe mich spontan entschlossen eine FB Freundin zu besuchen und damit auch kennen zu lernen, die gleich in der Nähe von Villach wohnt und mich auf einen Kaffee eingeladen hat. Petra Gaspar wohnt in Gummern – keine Sorge, ich kannte es auch nicht – und ich gebe zu, dass sogar mein Navi ein wenig irritiert war. Vorteil – ich lernte schnell auf unwegsamem Gelände umzudrehen 😊. Wir haben uns dann doch gefunden und uns bei einem Kaffee ausgetauscht. Ich hoffe wir werden noch viele solcher Gespräche führen können und freue mich, wieder eine FB Freundin persönlich kennengelernt zu haben.

Etappe von Pörtschach nach Gummern
Andrea und Petra

Aber dann war es so weit, die Principessa II legte einen Gang zu und wir fuhren auf der Bundesstraße der Grenze nach Italien – Arnoldstein, Thörl-Maglern – entgegen.

Von Villach nach Tolmezzo
An der Grenze in Tarvis

Italien, hier bin ich!

Endlich, der Grenzübertritt, für mich immer wieder von Herzklopfen begleitet. Wahrscheinlich bilde ich es mir nur ein, aber hinter Tarvisio ist der Wald ein wenig grüner, der Himmel blauer, die Vögel jubilieren und mein Herz macht *Bumm Bumm*. Sono tornato dove sono solo felice.

Das Kanaltal auf dem Weg von Tarvis nach Udine und weiter an die Adria kennen die meisten nur vom Vorbeifahren auf der Autobahn. Ich wollte bei meiner Reise voller Erinnerungen wieder dieses Gefühl reaktivieren, das ich als Kind hatte, wenn wir zu viert im VW Käfer 1303 S meines Vaters in Richtung Cesenatico fuhren und das Kanaltal noch auf der alten Bundesstraße durchfuhren. Meine Mutter hat immer gesagt „hier zu fahren ist wie Walzer tanzen“. Und ja, sie hatte recht. Ich habe mit der Vespa diese entspannte Alternative zur Autobahn gewählt, um Walzer zu tanzen. Malborghetto, Pontebba, Chiusaforte seit Kindheit bekannte Namen und als dann im strahlenden Sonnenlicht, das weiß glänzende Flussbett mit der türkisfarbenen Fella ganz nah war, hat sich wie von selbst ein Juchezer gelöst.

Der letzte Teil der Tagesetappe
Aussicht am Abend vom Palazzo

Ein wenig habe ich meine eigene Zeitplanung verdammt, denn hier an der alten Bundesstraße gibt es vor allem kulinarisch viel zu sehen und zu kosten. Das nächste Mal mehr davon.

Um wieder etwas Zeit zu gewinnen und den Nachmittag gemütlich am Pool meiner Freunde zu verbringen, entschied ich mich dann doch bei Tolmezzo auf die Autostrada aufzufahren und war so auf schnellstem Wege in San Giorgio di Nogaro. Noch ein kleines Lob den italienischen Autobahnen, die Principessa II ist gefahren, wie auf Schienen.

Fürstlicher Empfang in San Giorgio di Nogaro

Das Ankommen in San Giorgio war ein Hallo. Was war das für eine Freude uns nach einiger Zeit wieder zu treffen. Ein Glas Prosecco, viele Geschichten, ein erfrischendes Bad im Pool und als besondere Überraschung das Gartenfest der Nachbarn.

Das Palazzo in San Giorgio di Nogaro
Standesgemäßes Schlafzimmer
Der Pool vom Palazzo
Andrea im Pool mit einem Glas Wein

Italienische Feste sind etwas Besonderes. Sie feiern mit dieser Begeisterung zum Essen, zum Trinken, zu den Menschen, die sie mögen. Wenn dann noch die Gastgeberin aus Apulien, der Herr des Hauses aus Sizilien, der Freundeskreis aus Friaulisch-Venetien und die Nachbarn aus Österreich zusammenkommen, ja dann meine lieben Freunde versteht ihr, warum der Blog von gestern erst heute online geht, 😉. Geschlafen habe ich, nur um es zu erwähnen, in einem echten Prinzessinnen Zimmer!

Morgen, hmmm, heute geht es dann entlang der Adria nach Cesenatico. Ich freu mich schon so auf das Meer!

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5 comments

  1. Ja , also liebe Andrea- es ist so lustig zu lesen und wir haben sehr viele Gemeinsamkeiten. Das überrascht mich immer wieder. Auch ich bin als Kind mit meiner Schwester in einem Fiat 800 Sport🙈 mit meinen Eltern nach Italien gefahren. Platz war in dem Auto eigentlich gar keiner , aber meine Mutter war Meisterin im Schlichten.Anfangs nach Cavallino auf den Campingplatz Pra Delle Torri und später nach Lignano und Jesolo in Appartments. Auch auf der Bundesstraße und immer wieder schön. Meine Liebe zu Italien ist ungebrochen und so fahre ich seit 30 Jahren nach Caorle ins Negretto. Das ist wie Heimkommen. Autoschlüssel abgeben und sich um nix mehr kümmern. Zuerst nach meiner Scheidung mit meinem Sohn und dann mit meiner Schwester. Diese 1 Woche Schwesternurlaub ist uns nunmehr heilig. Leider waren jetzt 2 Wochen unterbrochen durch Corona, aber heuer fahren wir wieder. Ja und wie das Schicksal so spielt, ist mein Schwager aus Hermagor und so verbinden wir immer Italien mit Kärnten. Tarvis Besuche am Markt früher waren immer ein Erlebnis.
    Italienische Nudelplatten in der dortigen Pizzeria waren göttlich. Und von Hermagor nach Caorle ist nicht weit.
    Ja , jetzt bin ich wieder sentimental geworden, aber deine Berichte führen mich oft in meine eigene Kindheit.
    Lass es dir gutgehen und weiterhin gute Fahrt. Lg Gabriella

  2. Super Andrea, Gummern im Nirgendwo bei Villach wirst dir merken 🙃😅und schön zu sehen, dass alles wunderbar klappt bei dir! Genieße deine romantisch-melancholischen und spontan überraschenden Momente 🤩👍

  3. Liebe Andrea, es ist einfach köstlich amüsant deine Tagesberichte zu lesen. Weiterhin gute Fahrt und viel Vergnügen bei deiner tollen Reise, ich würde jedenfalls die Autobahnen meiden das Fahren ist viel entspannter auf der Landstraße.
    Herzliche Grüße Gabi

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