27. Juni 2022: Tag 10 – Von Stadtflucht, Lavendel und Aufregung um ein „i“

27. Juni 2022: Tag 10 – Von Stadtflucht, Lavendel und Aufregung um ein „i“

Marseille – Aix-en-Provence – Petruis – Apt – Sault – Orange – Peyrus – Peyruis (595km!)

Routen-Detail einer Irrfahrt
Routen-Detail einer Irrfahrt
Routen-Detail einer Irrfahrt
Routen-Detail einer Irrfahrt
Routen-Detail einer Irrfahrt

Der Tag begann entspannt und voll Vorfreude auf die heutige Tour. Die Provence mit all ihrer Schönheit und landschaftlicher Abwechslung stand auf dem Programm. Von den südlichen Alpen bis zur flachen Carmague, von hügeligen Weinbergen, Olivenhainen, Pinienwäldern und Lavendelfeldern. Gourmets denken da auch an Tapenade, Aioli, Fougasse, Salad Nicoise, Ratatouille oder Bouillabaisse.

Meine erste Aufgabe an diesem Tag war es wieder einmal eine Stadt unkompliziert zu verlassen 😊. Ich werde mein Leben lang nicht verstehen, warum ich unproblematisch in die Städte zur gewünschten Destination komme, dann aber beim Verlassen immer wieder mit Problemen zu kämpfen habe. So auch diesmal und auch diesmal habe ich die Industriezonen von Marseille besichtigt – das wird irgendwie zu einem Dauerbrenner. Nach 51 Minuten war es dann vollbracht und ich war auf meinem Weg nach Aix-en-Provence. Ich entschied mich gegen die Bundesstraße für die Landstraße und wurde belohnt.

Weinberge, üppige Blumenwiesen, schattige Zedernwälder, Olivenhaine und nicht nur das Auge wurde erfreut, der Duft, der an meine Nase gelangte war unbeschreiblich. Sanfte Kurven über leichte Anstiege und die kleinen Dörfer, die, ähnlich der Toskana, am Hügel gelegen mit ihrem ockerfarbenen Gemäuer in der Sonne leuchten. Und so fuhr ich durch das Märchenland und die sich immer wieder verändernde Kulisse. Dort eine Korkeiche, da ein paar Pinien, vor den Häusern blühten die unterschiedlichsten Pflanzen um die Wette und alles wirkte so sauber und frisch.

Liebliche Landschaft der Provence
Liebliche Landschaft der Provence
Liebliche Landschaft der Provence
Liebliche Landschaft der Provence
Die Principessa II in der lieblichen Landschaft der Provence

Der schattige Dorfplatz unter einer Platane in Apuis lud zu einer kurzen Pause ein und dann ging es auch gleich weiter.

Die Landschaft wurde etwas karger und steiniger und ich schraubte mich über einige Kurven und Kehren auf knapp über 1000m hinauf. Oben angekommen eröffnete sich ein breites Tal und da waren sie, die Lavendelfelder. In diesem einzigartigen Blau und der Geruch des Lavendels verbreitete sich über das gesamte Tal. Ich konnte mich nur schwer von diesen Bildern losreißen und mußte feststellen, dass das Blau auf den Bildern bei weitem nicht so hervorkam, als in Natura. Ein weiterer Grund die Bilder, die uns glücklich machen in unserem Herzen zu bewahren.

Liebliche Landschaft der Provence
Die Principessa II in der Provence
Blumenwiese in der Provence

Ich hatte es geahnt, die kleinen Landstraßen mit ihren Stichstraßen zu Weingütern, Lavendelölproduzenten, oder winzig keinen Dörfern umgeben von Sonnenblumen (man fühlt sich hier Vincent van Gogh sehr nahe), haben mich die Zeit vergessen lassen und ein Blick auf die Uhr brachte mich wieder ins Hier und Jetzt. Ich hatte der Vermieterin des B&B „Les Grandes Mollières“ zugesagt zwischen 17.00 und 18.00 Uhr anzureisen und gab Peyrus in das Navi ein, das mir anzeigte, dass es noch 168km bis dorthin waren. Leider zu lange, um weiter über die Landstraße zu gaukeln und irgendwie war ich dann doch froh, dass inzwischen mehrere Schnellstraßen und Autobahnen die Provence durchkreuzen, und fuhr bei Orange auf die Autobahn Richtung Valance (nördlichstes Tor zur Provence) auf.

La Principessa tut sich gut auf der Autobahn – bis 135 km/h hält sie mit, dann habe ich das Gefühl sie riegelt ab – stimmt das Reinhard Prasch? – aber ehrlich, Autobahnfahren ist auch mit adäquater Ausrüstung über lange Strecken mit der Vespa nicht witzig.

So war ich heilfroh, als ich endlich abfahren konnte und blieb kurz stehen, um die definitive Adresse einzugeben. Es war genau 17.00 Uhr und ich war hundemüde und freute mich schon auf ein gutes Glas gekühlten Rosé. Das Navi zeigte NICHTS. Ich kontrollierte die Adresse. NICHTS… ein leicht flaues Gefühl stieg in mir hoch. Ich kramte die Unterlagen von Booking.com hervor. Die Adresse stimmte. Ich gab die Adresse neuerlich ein, ohne Ortsangabe. Da war etwas – das Ziel liegt in 263km geplante Ankunft in 2.35h. Fassungsloses Erstaunen meinerseits. Ich kontrollierte nochmals alle Namen und da war es. Das „i“. Es gibt in der Provence 2 Dörfer, die gleich heißen, sich aber durch ein „i“ unterscheiden: Peyrus im Norden und Peyruis im Südosten.

Ausschnitt aus meiner Tagesroute mit einigen Umwegen

Ich musste in den sauren Apfel beißen und losfahren, nicht ohne meiner Vermieterin ein kurzes Mail zu senden, dass ich erst gegen 20.00 Uhr kommen würde. Also wieder auf die A7 „Autoroute du Soleil“, wieder in den unpackbaren Wind und die damit verbundenen Böen, wieder den ganzen Weg zurück. Als ich von der Autobahn abfuhr zeigte mein Navi noch 100km zu fahren und ich stellte fest, dass ich nur mehr 2 Striche auf der Tankanzeige hatte, was sich sicher nicht ausgehen würde.

Also auf die Bundesstraße – jetzt ging es ja wirklich nicht um Sightseeing, sondern um schnelles Vorankommen – und nach einer Tankstelle Ausschau gehalten. Nach einigen km war sie da. Langsam machte sich Erleichterung breit. Karte eingeschoben – in Frankreich gibt es de facto keine bemannten Tankstellen mehr. Die Mehrzahl gehen nur mehr über Karte, einige haben auch eine Münzfunktion, dies hatte nur Karten – REJETÉE! Karte ist abgelehnt. Durch meinen Kopf jagen tausend Gedanken zugleich. Warum lehnen sie die Karte ab, ich habe heute früh mein Bankkonto in Marseille kontrolliert? Wie soll ich jetzt ohne Benzin 91km weiterkommen? Was mache ich, wenn das Benzin aus ist? Mich erstaunte, dass ich so ruhig blieb und mir auch Gedanken wie „Gott sei Dank habe ich eine Decke und 2 Handtücher mitgenommen“ einfielen. Fakt ist, ich entschied weiterzufahren bis den Sprit aus ist und dann die nächsten Schritte zu setzen.

Irgendwie ließ es mir aber keine Ruhe und ich steuerte die nächste große Tankstelle an, die am Weg lag und siehe da, Die Karte funktionierte, der Tank wurde gefüllt und ich brauste, nein flog die letzten 75km gegen Osten.

Um 20.15 kam ich in Peyruis an und dank der guten Kennzeichnung fand ich auch die Alte Mühle, wo die Vermieterin schon wartete und nachdem ich ihr in wenigen Worten die Geschichte erzählt hatte voll des Bedauerns meinte ich möge mich schnell frisch machen, dann gibt es zu essen und 1/2l Rosé – den hätte ich mir verdient.

Die Mühle
Essen in der Mühle
Die Umgebung der Mühle
Steiniger Lavendel in der Provence
Die Mühle
Mein Zimmer in der Mühle
Lavendelfeld
Berge in der Provence

Hundemüde, mit leicht verkrampftem Schultergürtel und entsetzlichem Ohrenrauschen (von der Autobahn) kam ich in einem kleinen Paradies zur Ruhe, von dem ich euch morgen bei gutem Licht und ausgeruht mehr erzählen werde.

Die Moral von der Geschichte – gib lieber die Postleitzahl ins Navigationssystem, das spart ein paar Umwege 😊

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3 comments

  1. Herrlich…so haben wir schlussendlich alle immer die gleichen Probleme. Beruhigt mich irgendwie…:-)! Bin gespannt auf deine nächsten Berichte!

  2. Auch wenn das Blau in natura üppiger die Netzhaut verzaubert, sind die Bilder wunderschön. Das Nachtquartier mit dem einladenden Abendmahl inklusive Rosé ist spitze. Naja, und das mit Nav und Navi, das Tankstelleherbeisehnen gehört irgendwie dazu.

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