3. Juli 2022: Tag 16 – Seeumrundung, Hitzeschlacht und Jamaica in Italien

3. Juli 2022: Tag 16 – Seeumrundung, Hitzeschlacht und Jamaica in Italien

Einmal um den Gardasee (160km)

Der neue Tag zeigte sich von der besten Seite und nach einem frugalen Frühstück entschied ich mich dafür mit der Principessa eine Runde um den Gardasee zu drehen. Ich habe diese 160km ja schon ein paarmal in meiner Italienzeit mit dem Auto gemacht – da war auch Ambra – Principessa I – dabei, aber mit der Vespa stellte ich es mir bei weitem reizvoller vor.

Route um den Gardasee
Frühstück am Gardasee

Wir starteten von Desenzano entlang des Westufers und glaubt mir, mit Marscherleichterung ist Vespa fahren gleich ganz anders, ehrlicherweise viel besser. Ich habe nur bemerkt, dass mein Kurventraining mit voller Bepackung dazu geführt hat, dass ich die Kurven ohne Gepäck inzwischen wie eine Göttin meistere 😊. Manchmal tut Eigenlob gut.

Die Strada Statale 45 bis Gardesana Occidentale (kurz SS 45bis oder Gardesana Occidentale) ist eine italienische Staatsstraße, die in ihrem Verlauf von Salò bis Riva del Garda am Westufer des Gardasees entlangführt. Anfänglich noch lieblich beginnt sie nach Salo ihren Aufstieg und eröffnet faszinierende Blicke über den See und die Landschaft, in die er eingebettet ist. Der kontinuierliche Wind lockt zahlreiche Wind/Wassersportler aus nah und fern an. Segeln, Surfen, Kite Surfen, Wing Surfen – alles ist möglich. Aber natürlich geht es auch gemütlicher mit Sonnenbaden und Schwimmen, oder Bootfahren. Gerade die Westküste bietet einige Möglichkeiten dem Klettersport zu frönen und überall um den Gardasee kann man je nach Konditionslevel Wanderungen genießen. Eine Besonderheit ist der sehr gute Ausbau der Radwege und daher sieht man auch viele Radsportler ihre Runden um den See fahren.

Zitronen in Limone / Gardasee

Ich hatte es da ein wenig gemütlicher und nach einem kurzen Zwischenstopp in Salo, genoss ich die wunderbare Aussicht, die immer wieder durch Tunnels eingeschränkt ist, dafür umso atemberaubender, wenn man aus dem Tunnel wieder ans Tageslicht tritt.

Besonders zu erwähnen ist aus meiner Sicht der Garten von André Heller – Botanischer Garten in Gardone Riviera und natürlich die wunderbaren Zitronen in Limone, das aber auch einen reizenden alten Hafen besitzt, der gerne als Fotomotiv verwendet wird.Limone ist aufgrund des Bekanntheitsgrades sehr überlaufen und daher zog ich es vor weiterzufahren.

Wenn man die Nordspitze mit Riva und Torbole umrundet hat, beginnt die sanftere und flachere Ostseite des Sees. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten stehen zu bleiben und sich in die glasklaren Fluten des Sees zu stürzen. Malcesine, Brenzone, Garda, Lazise, alles Namen, die ihr sicher schon gehört habt. Es war inzwischen brütend heiß geworden und das kristallklare türkis, grün, blaue Wasser lockte mich und – leider – habe ich den Lockungen widerstanden, denn ich hatte gegen Ende der Rundfahrt an der Südspitze ein ganz besonderes Ziel mir aufgehoben. Jamaica Beach in Sirmione. Alle im Hotel hatten davon geschwärmt und vor meinem Auge stiegen Bilder aus lang verflossenen Tagen auf. Weißer Sandstrand, Teakholzliegen, Reggae Music, Drinks in Kokosnussschalen, kristallklares Wasser in unglaublich vielen Türkis blau Variationen, Kokospalmen …. Haaach. Man muss bei solchen Tagträumen aufpassen, vor allem wenn man auf der Vespa sitzt. Abzweigungen sind schnell überfahren.

Rund um den Gardasee
Rund um den Gardasee
Rund um den Gardasee
Rund um den Gardasee
Rund um den Gardasee
Rund um den Gardasee
Rund um den Gardasee
Rund um den Gardasee

Jamaica Beach ist am Ende einer Landzunge, die von Sirmione abgesichert gegen Autoverkehr gehütet und gepflegt wird. Ab dem Castello muss man zu Fuß gehen und hat ein ganzes Dorf als Touristenattraktion vor sich. Ich habe auf dem m2 noch nie so eine Dichte von Eisgeschäften gesehen. Die Parkplätze sind hoffnungsvoll überfüllt und viele Touristen nehmen einen Weg bis 2km auf sich, um dann ab dem Castello nochmals mindestens 2 km zu gehen, um das Dorf, den Park und ja, ganz am Ende den Jamaica Beach zu besichtigen. Ich habe ja gsd eine Vespa, das macht das Parken deutlich leichter. Denn meine anfängliche Skepsis, dass 2 Räder aller Art in Italien nicht überall parken könne, wo Autos parken, sondern speziell gekennzeichnete Parkplätze nehmen müssen, hat sich heute als Fügung des Schicksals ergeben. Vor dem Castello – speziell gekennzeichnete Moto Parkplätze und einer … für mich.

Ich also mit Badetuch und Kamera bewaffnet in den Kampf mit hunderten Touristen bei gefühlten 45°C. Da ist Simmering – Kapfenberg ein Lercherl dagegen.

Nachdem ich sehr schnell die Gelateria Zone verlassen hatte und den Pfeilen Beach folgte, merkte ich, dass der Strand ganz allgemein nicht wirklich einladend war. Die Steine grün und veralgt, viele Seevögel, die natürlich auch ihre Exkremente hinterließen und ein Geruch, der mir nicht behagte trieb mich weiter voran. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, dass trotzdem viel Menschen über die glitschigen Steine in den See gingen.

Der Weg wurde beschwerlicher, auch weil ich nichts mehr sah, da der Schweiß meine Augen reizte. Ich muss einen beeindruckenden Anblick hinterlassen haben. Schweißnass, rotgesichtig und mit dieser entschlossenen Miene diesen Strand zu erreichen. Rocky Balboa für Arme …

Irgendwann wurde aus den mittelgroßen Steinen Felsbrocken und mein Keuchen wurde wahrscheinlich über hundert Meter wahrgenommen. Ich muss etwas an meiner Kondition verändern 😉.

Und dann plötzlich – der Strand veränderte sich. Aus den grünen Algensteinen wurden Algensteinplatten und neben dem Strand erhob sich ein Hügel an dessen Gipfel eine Bar aufgebaut war und Technomusic erklang.

Wo war mein weißer Sandstrand, meine Liegen, meine Kokosnussdrinks? Wo Reggae Music?

Mehr als ernüchtert kaufte ich 1l Mineralwasser, beobachtete kurz das Treiben, war noch immer wild entschlossen ins Wasser zu gehen und strebte dem Strand zu. Nach der ersten toten Seemöwe drehte ich um und kämpfte mich über Stock und Stein den Weg wieder zurück. Das zweitbeste an Sirmione war der Limonadenverkäufer vor den Toren des Castellos. Er ist ein Lebensretter!

Zitronenlimo aus Sirmione am Gardasee
Die Principessa am Gardasee - Mopedparkplätze sind schon praktisch

Das Beste war etwas völlig Unvorhergesehenes, etwas, auf das ich nicht vorbereitet war und das man schwer beschreiben kann. Am Ausgang des Castellos sah ich auf einmal eine geöffnete Türe und eine kleine Kapelle darin und ich musste einfach hinein und mich hinsetzen. Während ich die Muttergottes anstarrte und mir nicht erklären konnte, warum gerade ich jetzt hier hereingekommen war, und auf einmal wusste ich es, mein Jakobsweg auf 2 Rädern – mein Santiago de Compostela – hier in dieser winzig kleinen Kapelle, umgeben von Touristenströmen und als Mensch, der immer sagt, um zu glauben brauche ich keine Kirche. Es war ein wunderbarer Moment und hat mich zum Strahlen gebracht. 

So setzte ich mich auf meine Principessa und fuhr heim, um dort in Desenzano im Hotel unterzutauchen und meinen aufgeheizten Körper wieder auf Betriebstemperatur zu bringen.

Die Moral der Geschichte, geht am Ostufer schwimmen!

Der Tag ist dann aber noch weiter wunderbar zu Ende gegangen mit Aperol und Fotosessions, mit einem wunderbaren Sonnenuntergang von der Terrasse des Restaurants Le Terrazze und mit wunderbarem Essen, das ich mir wirklich verdient habe.

Aperol Spritz am Gardasee
Abend am Gardasee
Andrea am Gardasee
Abendessen in Desenzano am Gardasee
Sonnenuntergang am Gardasee

Vielleicht sollten wir manchmal das wahrnehmen, das am Wege liegt, bevor wir immer nach etwas streben, das wir dann gar nie erreichen.

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