… und dann waren es auf einmal nur mehr 6 Wochen bis zur Abreise!

… und dann waren es auf einmal nur mehr 6 Wochen bis zur Abreise!

Ich gebe zu, dass ich langsam aber sicher zu realisieren beginne, was die geplante Reise mit meiner Principessa II eigentlich bedeutet.

Zum ersten Mal in meinem ganzen Leben mache ich 4 Wochen Urlaub am Stück und zum ersten Mal werde ich die meiste Zeit dieses Urlaubs alleine verbringen, respektive reisen. Zum ersten Mal hängt das Gelingen der Reise nicht einfach nur von einer perfekten Planung ab, sondern es spielen viele Faktoren mit, die kaum beeinflußbar sind. Das Wetter, die Strassensituation in den Alpen, das Funktionieren der Vespa, die eigene Kondition, nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Werden die reservierten Unterkünfte bereit stehen, was, wenn ich irgendwo in der Einöde ohne Benzin dastehe, oder im allerschlimmsten Fall meine Principessa II verletzt, oder gestohlen wird? Ein wenig beginnt also der Nervositätsfaktor anzuklopfen und auf der anderen Seite gibt es noch so viel zu tun, um die Vorbereitungen professionell umzusetzen.

Da wäre einmal die körperliche Fitness und da gibt es schon das erste klitzekleine Problem – seit 2 Monaten laboriere ich an einem durch neurologische Diagnose und Nervenleitgeschwindigkeit diagnostiziertem Loge de Guyon-Syndrom beidseits. Jetzt werdet ihr die Stirne runzeln und euch fragen, ob es mein Ernst ist euch eine medizinische Vorlesung zu halten? Ganz so schlimm wird es nicht und ganz so schlimm ist auch diese Diagnose nicht. Es handelt sich um eine Symptomatik, die sehr häufig bei Zweiradfahrern oder auch Krückengehern vorkommt. Der Nervus ulnaris wird durch diese mechanische Überlastung des Handgelenks komprimiert und es kommt zu Parästhesien im kleinen Finger und im Ringfinger und Taubheitsgefühlen der Handkante. Prinzipiell nicht wirklich gefährlich, aber höchst unangenehm. Ihr könnt es euch so vorstellen, als würden diese beiden Finger ununterbrochen eingeschlafen sein und wieder aktiviert werden. Was tun? Eine operative Sanierung kommt jetzt einmal gar nicht in Frage. Das bedeutet eine Ruhigstellung für mindestens 6 Wochen und das bei beiden Händen, also hintereinander. Never ever! Schonung, Ruhigstellung ist zwar eine Option, aber bei einem Job, der an das Schreiben von Mails und Konzepten geknüpft ist nicht ganz einfach. Ich versuche es jetzt einmal einerseits mit einem Chiropraktiker und andererseits müssen Gelhandschuhe besorgt werden.

Womit wir beim nächsten großen Thema wären – die Garderobe. Da ich der Meinung bin, dass man auf jedem motorisierten Zweirad entsprechende Kleidung tragen sollte (die Mädchen in Flatterkleidchen und Zehenschlapferln sind auch auf einer 50er Vespa fehl am Platz und Burschen in Badehose, nacktem Oberkörper und Flipflops auf einer 125er oder gar 300er möglicherweise nett zu betrachten, aus Sicherheitsüberlegungen aber als völliges „no go“ einzustufen), versuche ich die eierlegende Wollmilchsau zu finden, die sicher und kühl, aber auch wärmend und wasserdicht vereint. Abgesehen davon möchte ja man auch ein wenig fesch sein, wenn man so entlang der Riviera rollert. Das bedeutet zig Modelle und Materialien begutachten, um die beste Hose aller Zeiten zu finden. Im Moment liebäugle ich mit einer Trilobite Agnox, einer 100% wasserdichten Kevlar Jeans, die gerade einmal 2mm dick ist und daher auch nicht unbedingt ein Figurkiller. Ein Rückenprotektor für die Motorradjacke muss auch noch angeschafft werden und ja, die bereits erwähnten Gelhandschuhe. Ach ja, und dann denke ich noch darüber nach, ob ich nicht sicherheitshalber zur T-Bag noch eine Tasche/Koffer SIP „Classic“ für den Gepäckträger nehme.

Apropos Gepäckträger – die wichtigste Aktion war es die Principessa II am vergangenen Montag zum großen Service und dem Montieren von ein paar zusätzlichen Goodies zum Reinhard Prasch – www.prasch.at – zu bringen. Dort bekommt sie ihre verdiente Beautywoche und vom Ölstandsmesser über ein Windschild bis zum abklappbaren Gepäckträger (sicherheitshalber …) von allem nur das Beste. Ich bin Reinhard Prasch wirklich sehr dankbar für seine Tipps, Oliver hat mit mir bei der Übergabe schon alles bestellt und ich bin jetzt schon wirklich gepannt, wie sie sich macht und vor allem, wann ich sie wieder abholen darf. Nicht, dass sie sich an das Luxusleben in einer ausgewiesenen Vespawerkstatt gewöhnt …

Jetzt geht es natürlich auch noch um das film- und fototechnische Equipment und um die Kunst des Verstauens. Beim Thema Verstauen habe ich eine wunderbare Hilfe angeboten bekommen – Gina Halbbauer, die Schrankflüsterin, hat sich erbötig gemacht mit mir am 4.6. ein Probepacken zu veranstalten. Ich bin sicher sie schafft das, denn als Nachhaltigkeitscoach bringt sie Ordnung, Minimalismus und Leichtigkeit ins Leben. Ich bin schon sehr gespannt und werde euch natürlich mit ganz vielen Fotos davon berichten. Wer sich jetzt schon über Gina kundig machen möchte – www.dieschrankfluesterin.com.

Nächste Woche werde ich noch einmal alle Unterkünfte checken, den Versicherungsschutz überprüfen und mir auch zur Sicherheit echte analoge Strassenkarten zulegen – man kann ja nie wissen.

Und wie geht es meiner Psyche so? Derzeit ist es eine Hochschaubahn, die einerseits Kribbeln im Bauch auslöst und mich ganz gierig nach dem Abenteuer macht und andererseits ein wenig Unsicherheit, ob ich mich nicht doch vielleicht überschätzt habe, ob ich meine täglichen Routen richtig geplant habe, ob ich einsam sein werde, weil ich die hoffentlich wunderbaren Erlebnisse mit niemanden teilen kann? Werde ich an diesem Projekt wachsen, oder muss ich aufgeben? Eines weiß ich bestimmt es wird für mich so eine Art Jakobsweg auf zwei Rädern und ich werde bei meiner Rückkehr einige Dinge für mich geklärt haben und das alleine macht es spannend…

Wir hören uns, wenn ich die Principessa II vom Reinhard abhole, bis dahin – stay tuned.

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10 comments

  1. Also ich kann nur sagen Hut oder Vespa-Kappe ab. Zum medizinischen Fall hast du es gut weil du dich da ja bestens auskennst. Zum Psychischen würd ich sagen, du hast sicher Freunde die du jederzeit anrufen kannst,falls es seelische Unterstützung braucht. Außerdem würde ich für eine Hotline vor Ort vorsorgen , falls eine Panne jeglicher Natur sein sollte. Auf deiner Route.Nicht dass du dann erst Tel Nr. suchen musst. Und schlussendlich kannst du ja jederzeit umdrehen, abbrechen und wieder heimwärts rollen. Eine NotfallsNr. die dich samt Roller abholen kann wo immer du bist, sollte auch ins Gepäck.
    Und deine Familie und Freunde sollten immer wissen wo du gerade unterwegs bist. Also ich bin da halt so ein Sicherheitsfreak. Worst case immer im Blick und Vorsorgen.
    Ich glaube aber, du schaffst das alles in deinem Tempo und mit deiner Energie ganz hervorragend. Ich freu mich schon auf die nächste Nachricht und auf tolle Bilder!!!!
    Am wichtigsten ist die Gesundheit und dass dir nix passiert. Deshalb schick ich schon mal ein Schutzengerl zu dir!
    Alles Gute!

  2. Andrea, ich freue mich schon sehr aufs Teilen Deiner Erfahrungen/Reise – Fingers crossed🤞🍀 und alles Gute – Harry

  3. Es werden unheimlich geniale Wochen werden die du erleben darfst! Es wird alles gut gehen und ich freue mich schon auf deine Reiseberichte! Du schaffst auch das!!!

  4. Hallo Andrea, echt cool deine Reiseplanung. Wir von squadra nera werden dir ein paar fläschchen motoröl mitgeben, damit du wie geschmiert rollern kannst…wir drücken schon jetzt die daumen…lg harry

  5. Ich fiebere jetzt schon mit. Wochenlange Allein-Reisen sind super! Da gibt es die Grobplanung und dann die situationsbedingten Feinplanungen. Alles Unvorhersehbare empfindet man schnell als Geschenk. Es ist einfach ein Traum!! Vor knapp zwei Wochen machte sich ein 66-jähriger Freund mit dem Fahrrad auf den Weg über Ex-Jugoslawien nach Italien und dort den ganzen Stiefel runter und wieder rauf. Täglich berichtet er tagebuchartig und fotogarniert von seinen Abenteuern. Wuuuuunderschön. Du wirst es bestimmt ähnlich erleben, lieben, genießen, eintauchen. Ich freue mich schon.

    P.S.: die Finger sind bis dahin allesamt fit wie in den besten Zeiten.

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